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„Cycling is the city changer.“

ADFC- Fahrradklimatest 2016

19. Mai 2017

Karlsruhe und Freiburg weiterhin bundesweit Spitzenreiter, Pforzheim unter den Aufholern

Über 120.000 Bürgerinnen und Bürger haben an der siebten Umfrage des ADFC teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit von mehr als 500 Städten bewertet. In Baden-Württemberg haben sich über 13.000 Menschen an der Umfrage beteiligt und Bewertungen für 87 Kommunen abgegeben.

Die Ergebnisse für Baden-Württemberg im Überblick:

  • Karlsruhe und Freiburg überzeugen weiterhin im bundesweiten Städteranking mit Platz 2 und 3 bei Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Auch Mannheim konnte sich gegenüber 2016 um vier Plätze auf Rang 15 verbessern. Stuttgart hingegen gehört mit einer Gesamtnote von 4,23 und Platz 33 zu den Verlierern des aktuellen Fahrradklimatests.
  • In der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohnern konnte sich Heidelberg mit einer Note von 3,61 vom 11. auf den 7. Platz verbessern und liegt damit einen Platz vor Ulm in den Top 10. Heilbronn konnte sich abermals ein paar Plätze erkämpfen und liegt nun nach Platz 28 in 2012 und Platz 17 in 2014 auf dem 14. Rang.
  • Pforzheim erreichte bei den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern deutschlandweit die größte Verbesserung
  • In der Größenordnung 50.000 bis 100.000 Einwohner haben Konstanz, Friedrichshafen und Tübingen auf den Plätzen 11 bis 13 die Top 10 knapp verfehlt. Neben Tübingen haben sich allerdings auch Leonberg und Tettnang im Gegensatz zu 2014 verschlechtert.
  • In Städten unter 50.000 Einwohnern konnte Rutesheim auf Platz 11 das beste Ergebnis für Baden-Württemberg sichern. Die Kleinstadt im Landkreis Böblingen war das erste mal im Fahrradklimatest dabei und erreichte gleich die sehr gute Bewertung von 2,61.
  • Während Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich bei Städtegrößen von über 50.000 Einwohnern gut abschneidet liegt die Gesamtnote bei kleineren Städten und Gemeinden um 0,07 Punkten unter Bundesdurchschnitt.

Die bundesweiten Ergebnisse im Überblick

Über 200.000 Einwohner (Gruppe 1)
1. Münster                Note 3,07, stark verschlechtert, gleicher Platz
2. Karlsruhe             Note 3,09, relativ konstant, gleicher Platz
3. Freiburg i.Br.       Note 3,28, relativ konstant, gleicher Platz

100.000 – 200.000 Einwohner (Gruppe 2)
1. Göttingen            Note 3,29, relativ konstant, neu unter Top 3
2. Hamm                  Note 3,32, leicht verbessert, neu unter Top 3
3. Erlangen              Note 3,34, relativ konstant, 2 Plätze gefallen

50.000 – 100.000 Einwohner (Gruppe 3)
1. Bocholt                Note 2,29, leicht verschlechtert, gleicher Platz
2. Nordhorn             Note 2,59, relativ konstant, gleicher Platz
3. Wesel                   Note 3,02, leicht verschlechtert, gleicher Platz

Unter 50.000 Einwohner (Gruppe 4)
1. Reken                   Bestnote 1,86, relativ konstant, gleicher Platz
2. Wettringen           Note 2,08, leicht verbessert, neu unter Top 3
3. Heek                     Note 2,11, stark verbessert, neu unter Top 3

Als stärkste Aufholer wurden ausgezeichnet: Bochum, Wuppertal und Augsburg in Gruppe 1, Pforzheim, Regensburg und Offenbach a.M. in Gruppe 2, Marburg, Hanau und Iserlohn in Gruppe 3 sowie Baunatal, Gevelsberg und Zirndorf in Gruppe 4. Diese Städte haben sich gegenüber dem ADFC-Fahrradklima-Test 2014 am stärksten verbessert.

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Konkurrenz belebt das Geschäft – so ist es auch in der Radverkehrsförderung. Der Fahrradklima-Test kann hier gleichermaßen Ansporn und Bestätigung sein. Mit dem Fahrradklima-Test wollen wir den Städten und Kommunen aber vor allem ein Instrument an die Hand geben, das ihnen hilft, das Fahrradklima vor Ort besser einzuschätzen und Erkenntnisse für ihre Fördermaßnahmen zu gewinnen.“


Engagierte Rad-Förderung zahlt sich aus

Während Münster nach Einschätzung des ADFC vor großen, ungelösten Problemen durch eine inzwischen unterdimensionierte Infrastruktur sowie steigende Unfallzahlen steht und dadurch kontinuierlich in der Gunst der Radfahrenden verliert (von 1,88 in 2003 auf 3,07), profitieren Städte, die den Radverkehr zur Chefsache gemacht haben. Karlsruhe setzt auf eine gute Mischung aus systematischer Radverkehrsförderung mit messbaren Zielen, einem flächendeckenden Radwegenetz und Kommunikation (Kampagne „Tu’s aus Liebe“ für besseres Verkehrsklima), Göttingen gewinnt durch den „eRadschnellweg“, das niedersächsische Nordhorn behandelt das Fahrrad überall prioritär und legt beispielsweise Neubaugebiete so an, dass man von den Fahrradparkplätzen aus den kürzesten Weg in die Stadt hat.

Sicherheitsgefühl und Radwegequalität entscheidend
Einige Städte können sich durch leicht umzusetzende Maßnahmen – wie Werbung für das Radfahren, Öffnung von Einbahnstraßen, Winterdienst auf Radwegen - leicht verbessern. Diese Maßnahmen werden von den Befragten allerdings als weniger wichtig eingeschätzt. Am wichtigsten sind den Befragten das Sicherheitsgefühl beim Radfahren, die Qualität – also Breite und Oberfläche - der Radwege und die zügige Erreichbarkeit von Zielen. Gerade bei diesen wichtigen Aspekten ist der Gesamttrend negativ.

Gesamtnote: ausreichend
Die Bandbreite der Bewertungen ist groß: So erhielt die „Fahrradstadt der Herzen“, das münsterländische Reken, die Bestnote 1,86. Schlusslicht ist Hagen mit der Durchschnittsbewertung 4,72. Das „Fahrradklima“ insgesamt – also die wahrgenommene Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte und Gemeinden - hat sich seit der letzten Umfrage 2014 leicht verschlechtert und liegt nun bei 3,81 (2014: 3,74).

Verstellte und zu schmale Radwege nerven am meisten
Die meisten Befragten sind zufrieden mit der Erreichbarkeit der Innenstadt per Rad (Note: befriedigend plus). Auch die Kernfrage „Bei uns macht Radfahren Spaß bzw. Stress“ wird relativ gut bewertet (Note: befriedigend). Genervt sind die Radfahrenden vor allem durch Baustellen oder Falschparker auf Radwegen, ungeeignete Ampelschaltungen und zu schmale Radwege (Note: ausreichend bis mangelhaft). Und: Über 60 Prozent der Befragten fühlt sich beim Radfahren nicht sicher (Note: ausreichend). Der massenhafte Fahrraddiebstahl wird ebenfalls in fast allen Städten als schwerwiegendes Problem wahrgenommen (Note: ausreichend).

Autofreie Sonntage und andere Aktionen
Nicht zuletzt sind Kommunikation und Sichtbarkeit wichtig: In fahrradfreundlichen Städten fahren auch Bürgermeisterinnen und Verwaltungs-Chefs mit dem Rad, es gibt Aktionstage („autofreier Sonntag“) und Fahrrad-Kampagnen („Mit dem Rad zur Arbeit“, „Stadtradeln“, „Autokorrektur“ o.ä.) sowie fahrradfreundliche Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Diensträder, Fahrradparkplätze und Duschen zur Verfügung stellen.

Hintergrund zum ADFC-Fahrradklima-Test
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150.000 Euro gefördert. Über 120.000 Menschen stimmten bei diesem Durchgang ab, das sind 15 Prozent mehr als beim letzten Durchgang. 539 Städte haben die Mindestanzahl an Stimmen erreicht und es damit in die Wertung geschafft, gegenüber 468 in 2014. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. Der Test bestand aus 27 Fragen, wie „Macht das Radfahren Ihrer Stadt Spaß oder Stress?“ oder „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“. Die Umfrage wurde größtenteils online durchgeführt. Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip mit Werten zwischen eins und sechs.

Alle Ergebnisse finden Sie auf www.fahrradklima-test.de

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News vor Ort

Neues aus der Radverkehrsförderung in den Kommunen erfahren Sie auf dem Blog der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e.V.

Wege zu einer neuen Radkultur

Baden-Württemberg hat einen Fahrplan für die Radverkehrsförderung in den nächsten 10 Jahren: Die RadSTRATEGIE Baden-Württemberg

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