Informationsportal zur Radverkehrsförderung

Informationsportal zur Radverkehrsförderung

Viele kleine blaue Fahrräder vor weiß-grauem Hintergrund

Arne Koerdt, Verkehrsministerium

„Unsere Aufgabe: Radverkehrsförderung möglichst einfach machen & Akteuren bei der Arbeit helfen.“

Radverkehr

an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen

Hauptverkehrsstraßen innerorts sind wichtige Orte für den Radverkehr. Hier finden sich Arbeitsstätten, Geschäfte oder Umsteigepunkte zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer gute und direkte Verbindungen für den Radverkehr schaffen möchte, muss diese Quell- und Zielorte gut anbinden. Wenn die zentralen Radachsen allerdings entlang der häufig verkehrsreichen Hauptverkehrsstraßen verlaufen, müssen sie ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Denn hier finden aktuell 60 bis 80 Prozent der polizeilich registrierten Unfälle mit Radfahrerbeteiligung statt – je zur Hälfte entlang der Strecken und an Knotenpunkten.

Es gibt viele Möglichkeiten, Radfahrerinnen und Radfahrer sicher, schnell und komfortabel durch die Stadt zu leiten. Die folgenden Hintergrundinformationen rund um Radverkehrsplanung und Infrastruktur zeigen, welche Alternativen es gibt und wie sie sich voneinander abgrenzen.

Radverkehr auf der Fahrbahn

Innerorts gehört der Radverkehr in der Regel auf die Fahrbahn. Das hat viele Vorteile: Auch wenn manche Radfahrer sich subjektiv auf vom Autoverkehr getrennt geführten Wegen sicherer fühlen, sind sie objektiv da am sichersten, wo sie von den Autofahrern am besten gesehen werden: auf der Fahrbahn. Darüber hinaus ist das Fahren auf der Fahrbahn komfortabler und zügiger möglich.

Viele Radverkehrsanlagen sind außerdem baulich veraltet und nicht auf das aktuelle Radverkehrsaufkommen oder die höheren Geschwindigkeiten von Pedelecs und E-Bikes ausgelegt. Sie bringen Radfahrer eher in Gefahr, als dass sie sie schützen. Eine Radwegebenutzungspflicht sollte daher der Ausnahmefall sein und jeweils im Einzelfall begründet werden. Dies hat die Straßenverkehrsordnung bereits 1997 vorgeschrieben. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2010 in einem Urteil nochmals darauf hingewiesen. 

Ein weiterer Vorteil: Wird der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt, kommen sich Fuß- und Radverkehr nicht in die Quere. Das bringt Sicherheit für beide Gruppierungen und schafft eine fairere Umverteilung der Verkehrsfläche zwischen allen Verkehrsteilnehmern.

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) weist in einem anschaulichen Kurzfilm auf die Vorteile der Radverkehrsführung auf der Fahrbahn hin.

Schutzstreifen

Eine Möglichkeit, den Radverkehr auf der Fahrbahn zu führen, ist das Markieren von Schutzstreifen. Der Schutzstreifen ist eine am rechten Fahrbahnrand durch eine gestrichelte Linie markierte Spur für Fahrradfahrer, die in der Regel 1,50 m breit ist. Er gilt als Teil der Fahrbahn. Die Spur muss von Radfahrern nicht zwingend genutzt werden. Wer beispielsweise einen langsameren Radfahrer überholen möchte, darf über die Markierung fahren und dazu die Auto-Spur nutzen. Autofahrer dürfen im Bedarfsfall über die Markierung des Schutzstreifens fahren, z.B. wenn ihnen ein breiter Lkw entgegen kommt. Wo dies häufig vorkommt, ist der Schutzstreifen nicht die optimale Lösung für den Radverkehr. Parken ist auf dem Schutzstreifen verboten. Kurzes Halten ist erlaubt.

Unter Sicherheitsgesichtspunkten haben sich Schutzstreifen gut bewährt. Ein weiterer entscheidender Vorteil: Sie sind schnell und kostengünstig zu realisieren.

Oftmals reicht der Platz nicht, um beidseitige und ausreichend breite Schutzstreifen anzulegen. Deshalb hat die AGFK-BW eine Grundlagenuntersuchung zur Anwendung von Schutzstreifen bei schmaler Kernfahrbahn erstellt. Die Musterlösungen des Landes zum RadNETZ gehen auch auf die Möglichkeit von Schutzstreifen bei schmaler Kernfahrbahn ein.

Mehr Informationen: Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) hat ein Kommunikationspaket für Kommunen rund um das Thema "Einführung von Schutzstreifen" entwickelt.

Radfahrstreifen

Auch der Radfahrstreifen führt den Radverkehr auf der Fahrbahn. Hier ist die Trennung zwischen Auto- und Radverkehr allerdings deutlich strikter als beim Schutzstreifen: Radfahrstreifen sind durch eine durchgezogene Linie und durch Fahrradpiktogramme gekennzeichnete Sonderfahrstreifen ausschließlich für den Radverkehr und sollen 1,85 m breit sein. Eine farbliche Hervorhebung von Furten erhöht nicht nur die Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer, sie hat auch eine hohe Signalwirkung: Hier wird Verkehrsfläche explizit und ausschließlich für den Radverkehr reserviert.

Radfahrer müssen einen Radfahrstreifen zwingend benutzen. Autofahrer dürfen den Radfahrstreifen nur überfahren, wenn die sonst durchgezogene Begrenzungslinie des Radfahrstreifens gestrichelt ist. Dies ist etwa bei abzweigenden Straßen, Einfahrten oder bei Zufahrten zu Parkplätzen der Fall.

Wie der Schutzstreifen hat sich auch der Radfahrstreifen unter Sicherheitsgesichtspunkten bewährt. Er ist ebenfalls schnell und kostengünstig zu realisieren und eine gut sichtbare Maßnahme der Radverkehrsförderung.

Fahrradstraßen

Fahrradstraßen räumen dem Radverkehr klar Vorrang ein, anderer Fahrzeugverkehr ist nur bei entsprechendem Zusatzzeichen zugelassen. Zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer ist die Geschwindigkeit in Fahrradstraßen auf 30 km/h begrenzt. Das reduziert nicht nur die Unfallhäufigkeit, sondern auch Lärm und Schadstoffe und führt für die Anwohner zu einer höheren Lebensqualität.

Fahrradstraßen bieten viel Platz für den Radverkehr, da ihm die gesamte Fahrbahn zur Verfügung steht. Dies macht sie zu besonders komfortablen Verbindungen für den Radverkehr. Radfahrer dürfen hier beispielsweise auch nebeneinander fahren. Ein weiterer Vorteil der Fahrradstraßen: Sie sind meist ohne bauliche Veränderung umsetzbar und daher eine sehr hochwertige und dennoch kostengünstige Lösung für den Radverkehr.

Viele weitere Informationen und Kommunikationsvorlagen rund um Fahrradstraße gibt es bei der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW).

Baulich angelegte Radwege

Bauliche Radwege befinden sich im Seitenraum und sind zum Beispiel durch einen Grünstreifen von der Fahrbahn getrennt. Der Radverkehr wird also nicht im direkten Sichtfeld der Autofahrer geführt. Beim Bau neuer Radverkehrsanlagen gilt es daher, genau zu prüfen, ob ein getrennt von der Fahrbahn angelegter Radweg eine sinnvolle Lösung ist. Grundsätzlich empfiehlt das Ministerium für Verkehr, den Radverkehr innerorts auf der Fahrbahn zu führen.

Radfahrerinnen und Radfahrer geben bei Studien immer wieder an, dass sie sich sicherer fühlen, wenn Radwege getrennt vom Autoverkehr geführt werden (subjektives Sicherheitsgefühl). Dies deckt sich allerdings nicht mit den Unfallstatistiken (objektive Sicherheitslage). Da Autofahrer die Radfahrer bei getrennter Führung häufig nicht im Blickfeld haben, werden sie an Knotenpunkten oder Einfahrten leichter übersehen. So kommt es besonders häufig zu Abbiegeunfällen.

Bei der Planung eines solchen Radwegs ist unbedingt auch darauf zu achten, Konflikte mit dem Fußverkehr zu vermeiden. Zu schmale und/oder nicht klar voneinander abgegrenzte Verkehrsflächen führen zu Sicherheitsrisiken für beide Gruppen von Verkehrsteilnehmern.

Zweirichtungsradwege

Zweirichtungsradwege innerorts sollten der Vergangenheit angehören. Sie stellen ein hohes Sicherheitsrisiko sowohl auf der Wegstrecke als auch an Knotenpunkten dar, da viele Autofahrer beim Ein- oder Abbiegen die Radfahrer in Gegenrichtung nicht rechtzeitig wahrnehmen oder nicht mit diesen rechnen. Daher ist bei noch bestehenden Zweirichtungsradwegen auf jeden Fall zu prüfen, ob die Benutzungspflicht aufgehoben werden muss und welche Alternativen für die Radverkehrsführung bestehen.

Außerhalb geschlossener Ortschaften – zum Beispiel an Bundes- oder Landstraßen – können Zweirichtungsradwege bei ausreichender Breite ein sinnvolles Angebot für den Radverkehr sein. Dann muss allerdings sichergestellt werden, dass am Übergang vom außerörtlichen zum innerörtlichen Radnetz sichere Querungsstellen für den Radverkehr vorhanden sind.

Gemeinsame Führung mit dem Fußverkehr

Eine gemeinsame Führung von Rad- und Fußverkehr ist innerots zu vermeiden. Aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bedürfnisse kommt es zwischen Radfahrern und Fußgängern häufig zu Konflikten. Radfahrer fühlen sich von Fußgängern behindert, Fußgänger fühlen sich von Radfahrern bedroht. Sollte eine gemeinsame Führung in Einzelfällen unvermeidbar sein, ist darauf zu achten, dass die Bereiche für beide Gruppierungen ausreichend breit und durch eine Einfärbung der Oberfläche sichtbar abgegrenzt sind.

Um im Stadtzentrum Lücken im Radnetz schließen zu können, haben einige Städte auch Fußgängerzonen in der Innenstadt für den Radverkehr geöffnet. Dies kann beispielsweise in den Tagesrandzeiten eine gute Lösung sein, wenn sowieso Lieferverkehr unterwegs und die Fußgängerdichte niedrig ist. Allerdings müssen solche Mischlösungen kommunikativ begleitet werden, damit die Regelungen klar sind und es nicht zu Missverständnissen und Konflikten zwischen den Verkehrsteilnehmern kommt.

Führung an Bahn- oder Bushaltestellen

Bus- und Straßenbahnhaltestellen sind – ebenso wie die Radverkehrsführung – ein fester Bestandteil vieler Hauptverkehrsstraßen. Die Herausforderung ist es, eine komfortable und sichere Lösung sowohl für den Radverkehr als auch für den öffentlichen Verkehr und die wartenden bzw. ein- und aussteigenden Fahrgäste zu finden. Dabei ist es wichtig, Funktions- und Sicherheitsansprüche sorgfältig abzuwägen.

Sicherheit für alle Beteiligten können hier beispielsweise farbliche Markierungen der Radverkehrsflächen bringen oder klare Querungsregelungen für den Fußverkehr.

Schienen stellen für Radfahrerinnen und Radfahrer immer eine Gefahrenquelle dar. Wer mit dem Reifen in eine Schiene gerät, hat kaum eine Chance, ohne Sturz davonzukommen. Daher ist bei einer gemeinsamen Führung von Bahn- und Radverkehr auf genügend Abstand zu achten. Wo Radfahrer Schienen queren müssen, ist es wichtig, dass sie möglichst senkrecht zu den und über die Schienen fahren.

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Musterlösungen

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat im Rahmen des RadNETZes Musterlösungen für die Radverkehrsführung zusammengestellt.