Informationsportal zur Radverkehrsförderung

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Viele Menschen haben sich für dieses Foto zu einem Fahrrad formiert.

Michael Obert, AGFK-BW Vorstandsvorsitzender

„Radverkehrsförderung ist eigentlich ganz
einfach – da kann jeder in fast jedem Bereich etwas beitragen.“

Rad, Bus, Bahn ...

Die Verkehrsteilnehmer von heute sind vielfach nicht mehr nur mit dem Auto unterwegs. Sie suchen sich – je nach Anlass der Fahrt, Distanz, Wetter und Topografie – den besten Weg und das passende Verkehrsmittel aus. Für mittlere und lange Wegelängen ist die Kombination von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) eine leistungsstarke Alternative. Fahrrad und Pedelec sind insbesondere in ländlichen Regionen und auf der sogenannten „letzten Meile“ eine optimale Ergänzung zum ÖV. Für Radfahrer sind sichere, witterungsgeschützte Abstellanlagen, die Möglichkeit, das eigene Fahrrad in Bus und Bahn mitzunehmen, und Leihradsysteme für den Weg von und zur Haltestelle von zentraler Bedeutung.

In der RadSTRATEGIE Baden-Württemberg stellt das Verkehrsministerium (VM) seine eigenen Pläne vor und macht den Kommunen und Verkehrsverbünden Empfehlungen, wie sie das Fahrrad in Zukunft besser mit anderen Verkehrsmitteln verknüpfen können:

  • Sichere und witterungsgeschützten Fahrradabstellplätze bauen
  • Die Kombination von Rad und ÖV durch Bike & Ride und attraktive Mitnahmeregelungen erleichtern
  • Fahrradverleihsysteme einrichten

Fahrradparken

Wenn man mit seinem Fahrrad zum Einkaufen, zur Arbeit oder zum Sport fährt, steht man oft vor einem Problem: Wo lässt sich das Fahrrad anschließen? Gute und sichere Abstellmöglichkeiten sind ein wesentlicher Faktor für die Nutzung hochwertiger Räder. Dabei erhöht sich gerade durch den Markterfolg der Pedelecs der durchschnittliche Wert der Fahrräder. Fahrradparkplätze sind außerdem sowohl flächen- als auch kosteneffizient: Auf einen Pkw-Stellplatz passen vier Anlehnbügel für bis zu acht Fahrräder, auch die Kosten eines Fahrradabstellplatzes liegen deutlich unter denen eines Pkw-Parkplatzes.

Bis 2025 sollen die Kommunen für zehn Prozent der Einwohner Fahrradabstellplätze schaffen. Davon soll die Hälfte überdacht und ein Viertel gesichert sein. Die überdachten und gesicherten Abstellanlagen sollen vor allem dort entstehen, wo Fahrräder länger und ggf. über Nacht abgestellt werden – beispielsweise an Bahnhöfen. Für den Bau können über die Fördermöglichkeiten des Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (LGVFG) Fördermittel beantragt werden.

In der Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO), die 2015 novelliert wurde, hat das Land festgelegt, wie viele Fahrradstellplätze bei Neubauprojekten gebaut werden müssen. Die dazugehörige Verwaltungsvorschrift (VwV) regelt in Übereinstimmung mit bundesweit geltenden Vorgaben die Ausgestaltung der Stellplätze. Darüber hinaus können Kommunen eigene Stellplatzsatzungen erlassen.

Kombination ÖV-Rad

Manchmal ist die Strecke zu lang, um sie komplett mit dem Rad zu bewältigen. Hier bietet die Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine optimale Lösung, oftmals auch die entspannteste und schnellste.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten der Kombination:

Bike + Ride:
Das Fahrrad wird als Zubringer zur leistungsfähigen ÖV-Verbindung eingesetzt und am Bahnhof abgestellt. Beim Fahrradparken an Bahnhöfen hat ein vom VM beauftragtes Kurzgutachten erhebliche Potentiale sowohl für Fahrgastzuwachs als auch für eine Steigerung des Radverkehrsanteils bescheinigt. Gute Beispiele für das Fahrradparken am Bahnhof und begleitende Angebote sind z. B.das Radhaus in Offenburg und die Radstation in Ludwigsburg.

Ziel ist die Verdopplung der B+R-Nutzenden bis 2025. Dafür ist angestrebt, dass die Kommunen und das Land jährlich 5.000 zusätzliche Bike & Ride-Stellplätze in Baden-Württemberg schaffen. Das Land kann hierfür Fördermittel über das LGVFG zur Verfügung stellen.

Einen Überblick über die derzeitige Situation zu Bike+Ride und Hilfestellung für alle damit befassten Akteure wird das Bike+Ride-Konzept bieten, welches das VM derzeit erarbeiten lässt. Die Fertigstellung wird für Herbst 2017 erwartet.

Fahrradmitnahme
Das Fahrrad wird nach der Fahrt zum Bahnhof in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgeführt, um an der Zielhaltestelle weiterradeln zu können. Das eigene Fahrrad in der Bahn oder im Bus zu transportieren, garantiert Fahrgästen, dass sie von der Haltestelle oder dem Bahnhof zügig an ihr Ziel kommen – und zwar unabhängig von den Gegebenheiten am Zielort. Eine durchgängige Mobilitätskette und hohe Flexibilität auch bei Wetteränderungen machen diese Form der kombinierten Mobilität besonders attraktiv.

Ziel des VM ist es, eine landesweit einheitliche, für Bürgerinnen und Bürger verständliche Regelung zur Mitnahme von Fahrrädern schaffen. Es soll flächendeckend zu jeder Tageszeit möglich sein, das eigene Fahrrad im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) mitzunehmen. Ein wichtiger Schritt ist die deutliche Ausweitung der kostenlosen Fahrradmitnahme im SPNV außerhalb der morgendlichen Hauptverkehrszeit montags bis freitags (6 bis 9 Uhr). Komplexe Rahmenbedingungen und vertrags- und tarifrechtliche Regelungen in den SPNV-Ausschreibungen erschweren schnelle und tatsächlich flächendeckende Regelungen ohne Ausnahmen jedoch.

Systemintegration
Nicht immer hat man das eigene Rad zur Verfügung oder man hat es am Startbahnhof sicher abgestellt. Dann ist ein Fahrrad aus einem Verleihsystem optimal. Um das Angebot möglichst einfach nutzbar zu machen, ist eine weitgehende Integration des Angebots in den öffentlichen Verkehr anzustreben. Wie das geht, macht die Stadt Offenburg vor: An wichtigen Knotenpunkten des ÖV – dem Bahnhof, dem Kulturforum, der Messe und dem technischen Rathaus – hat die Stadt Mobilitätsstationen errichtet, an denen registrierte Nutzerinnen und Nutzer je nach aktuellem Bedarf Fahrräder, Pedelecs und Carsharing-Autos leihen können. Dazu gibt es viele weitere Leihrad- und Carsharing-Stationen. Die Räder und Carsharing-Autos können mit der „Einfach Mobil“-Karte oder per App ausgeliehen werden.

Bis 2025 sollen in Baden-Württemberg mindestens 35 Mobilitätsstationen an Knotenpunkten des ÖPNV/SPNV mit Leihfahrrädern, -pedelecs und Carsharing-Autos entstehen. Das VM möchte auch das Pedelec als Zubringer für den ÖV weiter etablieren – beispielsweise durch sichere Abstellanlagen, in den ÖV-Tarif integrierte Leih-Pedelecs und Kommunikationsmaßnahmen.

Fahrradverleihsysteme einrichten

In der Stadt bieten Fahrradverleihsysteme wichtige Ergänzungen der Mobilitätsketten, im ländlichen Raum können insbesondere Pedelec-Leihsysteme Versorgungslücken im ÖV schließen. Gerade auch im Tourismus steigern Verleihsysteme die Attraktivität des ÖV und der Destinationen.

Ziel des VM ist es, dass bis 2025 pro 1.000 Einwohner zwei Leihräder zur Verfügung stehen. Derzeit gibt es in sechs Städten und Regionen in Baden-Württemberg Leihradsysteme. Die meisten Räder pro 1.000 Einwohner hat Offenburg mit 1,5 Rädern. Über das größte System verfügt derzeit der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) mit 57 Stationen.

Bis 2020 ist geplant, dass das VM Potenziale, Strukturen und Rahmenbedingungen von Leihradsystemen analysieren und ein Pilotprojekt für Pedelec-Verleihsysteme im ländlichen Raum für Radtourismus und Alltagsverkehr initiieren lässt.

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