Informationsportal zur Radverkehrsförderung

Informationsportal zur Radverkehrsförderung

Viele Menschen haben sich für dieses Foto zu einem Fahrrad formiert.

Michael Obert, AGFK-BW Vorstandsvorsitzender

„Radverkehrsförderung ist eigentlich ganz
einfach – da kann jeder in fast jedem Bereich etwas beitragen.“

Übers Rad reden

Verhaltensänderung ist ein Prozess. Das gilt auch für ein Weniger an Autoverkehr hin zu einem Mehr an Radverkehr. Gewohnheiten, mangelnde Information über Alternativen sowie fehlende gesellschaftliche Akzeptanz führen häufig dazu, dass etwas im Status quo verharrt, das eigentlich verändert gehört. Kommunikation kann helfen, aus dieser Starre herauszuführen.

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit ist das Fahrrad in den vergangenen Jahren im Mainstream angekommen – es wurde zu einem Lifestyle-Objekt stilisiert, mit dem man sich gern zeigt. Diese Entwicklung gilt es nun zu verstetigen. Um das zu erreichen, bedarf es jedoch mehr, als das Fahrrad der breiten Öffentlichkeit als Alternative zum Auto zu präsentieren. Auch in Richtung Fachöffentlichkeit in Verwaltungen und Planungsbüros sowie gegenüber Multiplikatoren und Entscheidungsträgern muss Kommunikation stattfinden.

Öffentlichkeitsarbeit

Der Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr ist zwar zentral, doch das allein reicht nicht aus. Denn Radverkehrsverbindungen werden nur dann genutzt, wenn die Bürgerinnen und Bürger auch von ihnen erfahren. Dies zu erreichen, ist ein Ziel von Öffentlichkeitsarbeit.

Das klare übergeordnete Ziel der RadSTRATEGIE ist die Entwicklung und Etablierung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur. Die Möglichkeiten und die Notwendigkeit von Kommunikation sollen dabei allen beteiligten Akteuren, vom Kommunalmitarbeiter bis hin zum Wirtschaftsvertreter, nicht nur bewusst sein, sondern auch aktiv betrieben werden.

Den Grundstein zum Erreichen dieser Ziele hat das Land Baden-Württemberg bereits gelegt: Als erstes Flächenland investiert Baden-Württemberg bereits seit 2012 systematisch in eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des Radverkehrs. Im Rahmen der Initiative RadKULTUR werden sowohl auf Landesebene als auch in den RadKULTUR-Kommunen in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) Aktivitäten und Mitmachaktionen für Bürgerinnen und Bürger umgesetzt – mit messbarem Erfolg.

Um eine fahrradfreundliche Mobilitätskultur auch langfristig zu sichern, bedarf es der aktiven Mitarbeit vieler Akteure in ganz Baden-Württemberg. Daher werden Erfahrungen, Module und Aktionen der Initiative RadKULTUR in einem Werkzeugkasten aufbereitet und Kommunen, Verbänden, der Fahrradwirtschaft, ÖV-Unternehmen und weiteren Akteuren für ihre Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt.

Information und Wissensvermittlung

Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden! Nach Jahren erfolgreicher Radverkehrsförderung ist in Baden-Württemberg ein solides Fachwissen entstanden. Die Bekanntheit dessen und richtige Anwendung ist allerdings noch ausbaufähig. Zur Vermeidung von Fehlplanungen ist die Wissensvermittlung und der Austausch zwischen den Fachleuten und -gremien unerlässlich. Das betrifft neben Infrastrukturmaßnahmen auch alle weiteren Handlungsfelder der Radverkehrsförderung, wie beispielsweise die Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes.

Ziel der RadSTRATEGIE ist es, dass der aktuelle Erkenntnisstand flächendeckend allen zuständigen Akteuren in Politik und Verwaltung bekannt ist und zur Verfügung steht. Aus- und Weiterbildungen dienen neben der Wissensvermittlung auch der Vernetzung, dem Austausch und nicht zuletzt der dauerhaften Motivation. Die AGFK-BW bietet bereits regelmäßig Fachveranstaltungen zu wechselnden Themen in der Radverkehrsförderung an.

Um die Anwendung des aktuellen Fachwissens sicherzustellen, setzt die RadSTRATEGIE auf die Entwicklung von Standards und Musterlösungen in den wichtigsten Handlungsfeldern, welche als Förderbedingungen festgesetzt werden. In kleinen Kommunen und Landkreisen kann so die Planung erleichtert werden. Leitfäden und komplementäre Informationsmaterialien unterstützen ebenfalls.

Auch die Integration von Fahrradförderung in den akademischen Bereich ist wichtig, um Fachkräftemangel in Zukunft entgegenzuwirken und den Nachwuchs schon in der Ausbildung für das Thema zu sensibilisieren.

Mobilitätsmanagement

Anreize schaffen und durch Service und Motivation Menschen zum Radfahren zu bewegen: Das sind die Grundsätze eines Mobilitätsmanagements. Da viele Bausteine in einem Mobilitätsmanagement ohne Infrastrukturmaßnahmen auskommen, sind sie  höchst kosteneffizient bei vergleichsweise geringem Aufwand.

 Die RadSTRATEGIE unterscheidet zwischen behördlichem, betrieblichem und schulischem Mobilitätsmanagement:

  • Behördliches Mobilitätsmanagement: Einerseits soll intern eine Vorreiterfunktion im Bereich fahrradfreundliche Verwaltung angestrebt werden, andererseits durch Verbesserungen der rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen die Fahrradförderung außerhalb der Behörden gefördert werden. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland mit einer Arbeitsgemeinschaft für Mobilitätsmanagement und bezuschusst konsequent das Jobticket für alle Landesbediensteten. Auch die Erweiterung des Dienstwagenprivilegs auf Fahrräder wurde auf Initiative des Landes Baden-Württemberg ermöglicht.
  • Betriebliches Mobilitätsmanagement: Weniger Krankheitstage, höhere Attraktivität für Mitarbeiter, modernes Image: Dass Arbeitsgeber von einem betrieblichen Mobilitätsmanagement profitieren, ist bereits mehrfach durch Studien belegt. Die Möglichkeiten für Unternehmen sind vielfältig und individuell auf die Bedürfnisse anpassbar von Dienstfahrrädern bis zur intelligenten Parkraumbewirtschaftung. Die Broschüre „Gute Argumente für betriebliche Radverkehrsförderung“ ist wichtiger Baustein in der Wissensvermittlung und soll neu aufgelegt werden.
  • Schulisches Mobilitätsmanagement: Neben der Mobilitätserziehung ist auch im schulischen Kontext eine Planung auf der Meta-Ebene empfehlenswert. Ziel ist eine Zertifizierung von 30% der Schulen als „Fahrradfreundlich“ bis 2025. Dazu zählt beispielsweise eine Verbesserung der Abstellanlagen sowie Reduktion der Gefährdung durch sogenannte „Elterntaxis“.

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