Informationsportal zur Radverkehrsförderung

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Verkehrsminister Winfried Hermann und der Karlsruher Bürgermeister Michael Obert enthüllen anlässlich des Draistags eine Fahrradzählsäule.

Winfried Hermann MdL, Verkehrsminister:

„Mittelfristig wollen wir den Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen auf 20 % verdoppeln.”

Wie wirkt

Kommunikation?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alle verhaltens- und sozialpsychologischen Studien zeigen, dass Menschen sich extrem schwer tun, Routinen zu verändern – auch wenn sie vom Verstand her längst erkannt haben, dass eine Verhaltensänderung sinnvoll wäre. Das gilt auch fürs Mobilitätsverhalten. Lebensstilforscher Konrad Götz von Institut für sozialökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main sagt: „Von der Sozialpsychologie und vom Marketing kann man lernen, dass es nicht viel bringt, wenn man Autofahrern sagt, wie vernünftig es wäre umzusteigen. Es geht nicht allein um objektiven Nutzen, sondern auch um Affekt, Spaß, Emotion.”

Mehrere groß angelegte Kampagnen für den Radverkehr haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Kommunikation wirkt (siehe rechte Spalte). Auch die Initiative RadKULTUR des Landes Baden-Württemberg wurde durch eine umfangreiche wissenschaftliche Studie begleitet. Das Ergebnis: Kommunikation für den Radverkehr lohnt sich, denn sie verändert die Einstellung der Bürgerinnen und Bürger zum Radverkehr und bringt mehr Menschen aufs Rad. (Hier geht es zur Meldung vom 12.3.2015 zur Veröffentlichung des Endberichts).

Götz sieht jedoch einen großen Nachholbedarf beim Radverkehrsmarketing. Das Auto ist – nicht zuletzt dank langjähriger millionenschwerer Autowerbung – mit einer starken Lebensstilsymbolik besetzt. Wer Mobilitätsverhalten dauerhaft verändern möchte, muss laut Götz dem Autofahrer und der Autofahrerin einen gleichwertigen Ersatz anbieten und eine gleichermaßen bequeme Routine. „Wenn Autofahrer zum Umsteigen bewegt werden sollen, muss die Infrastruktur gut sein, müssen das Radfahren und Zufußgehen mindestens ebenso bequem und attraktiv wirken wie das Autofahren. Das ist eine zentrale Bedingung. Wenn das Angebot stimmt, kann darauf auch die Kommunikation aufbauen, ohne unglaubwürdig zu werden”, erklärt Götz.

Aber was tun, wenn die Umsetzung des neuen Radwegekonzepts ihre Zeit braucht? Professor Heiner Monheim, der das Land Baden-Württemberg bei der Initiative RadKULTUR zum Thema Marketing berät, betont das gute Kosten-Nutzen-Verhältnis und die schnelle Sichtbarkeit von Image- und Marketingmaßnahmen sowie den dadurch hervorgerufenen Motivationsschub. „Marketing ist das effizienteste Mittel, um den Markt in Bewegung zu bringen”, sagt er. Während die Umstellung der Infrastruktur von Auto- auf Fahrradstadt Jahrzehnte dauern könne, „wirkt Marketing sofort”. Dabei ist es allerdings wichtig, dass Kampagnen und Kommunikationsmaßnahmen langfristig angelegt sind und die gewünschte Verhaltensänderung in allen Lebenssituationen begleiten. „Eine Kampagne muss über einen längeren Zeitraum gefahren werden und darf nie ganz abreißen”, sagt Monheim.

Optimal ist es, da sind sich beide Wissenschaftler einig, wenn Verbesserungen der Infrastruktur und Kommunikationsmaßnahmen vor Ort Hand in Hand gehen und Radfahren als Teil der Mobilitätskultur gleichzeitig auch durch landesweite Aktionen vermittelt wird. Daher unterstützt das Land Baden-Württemberg seine zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen für den Radverkehr mit der Kommunikationsinitiative RadKULTUR. Die Initiative RadKULTUR zielt darauf ab, das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel und echte Alternative zum Auto im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu verankern - eine ambitionierte Aufgabe in einem Bundesland, das sich immer auch übers Auto definiert hat.

Das Ziel der Initiative ist die Schaffung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur. Die Botschaft: Vermittlung von Selbstverständlichkeit, Einfachheit und Spaß am Radfahren. Kurz: Die Initiative RadKULTUR zeigt die positiven und schönen Seiten des Radfahrens durch Veranstaltungen, Mitmach-Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit.

Mehr Informationen zur Initiative RadKULTUR, zu den Parnterkommunen und zu laufenden Aktionen gibt es unter www.radkultur-bw.de

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Begleitforschung

Titel Endbericht Begleitforschung zur Initiative RadKULTUR Baden-Württemberg

In einer ausführlichen Studie hat das Wuppertal-Institut die Wirkung der Initiative RadKULTUR untersucht. (Download, 3,6 MB). Hier geht es zur Kurzfassung.

Kopf an.Motor aus!

Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Kopf an. Motor aus!“ begleiteten Modellkommunen von 2008 bis 2010 ihre Radverkehrsmaßnahmen mit einer Kommunikationskampagne. Projekt und Ergebnisse sind dokumentiert in der Broschüre „Die Kampagne” und im Kampagnen-Leitfaden „Die Blaupause”.

München aufs Rad

Mit dem Aktions- und Kommunikationspaket „Radlhauptstadt München” hat die bayerische Hauptstadt viel für den Radverkehr getan. Die Evaluierung durch das Wuppertal Institut zeigt, wie sich das ausgewirkt hat.

Gut kommuniziert

Zahlreiche Beispiele in Baden-Württemberg zeigen, wie das Zusammenspiel von guten Angeboten für Radfahrer und Kommunikation zum Erfolg führt. Hier gibt es Beispiele aus der Praxis.

Was Bürger wollen

Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Thema Radverkehr.