Informationsportal zur Radverkehrsförderung

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Verkehrsminister Winfried Hermann und der Karlsruher Bürgermeister Michael Obert enthüllen anlässlich des Draistags eine Fahrradzählsäule.

Winfried Hermann MdL, Verkehrsminister:

„Mittelfristig wollen wir den Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen auf 20 % verdoppeln.”

Modellprojekte Schutzstreifen

"Radfahrer ab auf die Straße" - dieses Fazit lässt sich bei Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur zum Thema und aus den aktuellen Erkenntnissen und Diskussionen ziehen. Doch dies ist bisweilen nicht möglich, ohne sich Gedanken zu Markierungslösungen zu machen. Eine dieser Lösungen können Schutzstreifen darstellen.

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) e. V. hat ein Gutachten zu Schutzstreifen innerorts mit Fokus auf den Fall der sog. schmalen Kernfahrbahn / enge Straßenquerschnitte erstellen lassen, das 2014 veröffentlicht wurde.

Ein Forschungsprojekt zu Schutzstreifen außerorts wird aktuell vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur durchgeführt. Dieses wird einer begleitenden Evaluation unterzogen. Das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Ministerium für Verkehr (VM), beteiligt sich daran.

Schutzstreifen innerorts

Immer mehr Kommunen markieren Schutzstreifen für Radfahrerinnen und Radfahrer oder Radfahrstreifen auf der Fahrbahn ab. Die Umsetzung ist kostengünstig, der Sicherheitsgewinn ist hoch. Ein Hindernis für einen noch breiteren Einsatz der Markierungen sind die oft beengten Straßenräume. Die Expertenempfehlungen forderten bisher immer eine Mindeststraßenraumbreite von 7,00 m als Bedingung für die Anlage von Schutzstreifen. So breit sind die Straßen aber an vielen Stellen, allem voran in historisch gewachsenen Innenbereichen von Städten und Dörfern, nicht. Trotzdem sollen die Lücken in den Radverkehrsnetzen geschlossen und die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Forschungsprojekt Schutzstreifen

Ein Forschungsprojekt der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW), mitfinanziert und unterstützt vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI), zeigt nun neue Lösungsmöglichkeiten für schmale Straßen auf. Ausführliche Informationen zum Gutachten bietet die Website der AGFK-BW.

Verkehrsminister Winfried Hermann begrüßte die Ergebnisse: „Das Gutachten zeigt, dass beidseitig angelegte Schutzstreifen auch bei schmaleren Fahrbahnen unter bestimmten Bedingungen eine sichere Lösung darstellen können. Damit können wir das bisherige Repertoire für sicheres Radfahren auf Straßen mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sinnvoll ergänzen.“

Die Modellkommunen

Am Modellprojekt teilnehmende Kommunen waren: Filderstadt, Friedrichshafen, Heilbronn, Heidelberg, Heidenheim, Leonberg, Lörrach, Offenburg und Tübingen.

Die Untersuchung und Ergebnisse

Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen (SVK) aus Aachen untersuchte auf den ausgewählten Modellstrecken – unter anderem per Videoanalyse –, welche Art von Schutzstreifen sich auf schmalen Fahrbahnen am besten eignen: einseitige, beidseitige oder solche, die abwechselnd auf der einen und der anderen Straßenseite markiert sind. Das Ergebnis: „Auf innerörtlichen Straßen mit einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h kann mit beidseitigen Schutzstreifen auch auf Fahrbahnen mit einer Breite unter sieben Meter ein deutlicher Sicherheitsgewinn für alle Verkehrsteilnehmer erreicht werden“, so Dr. Ralf Kaulen vom SVK. Auf den untersuchten Straßen fuhren die Autos nach Markierung der Schutzstreifen langsamer und überholten Radler mit mehr Abstand.

Bislang lagen diese Erkenntnisse ausschließlich für Schutzstreifen auf mindestens sieben Meter breiten Fahrbahnen vor. Das von der AGFK-BW in Auftrag gegebene Gutachten trägt also dazu bei, eine Forschungs- und Untersuchungslüche zu schließen. 

Schutzstreifen außerorts

Grundlageninformation

Für eine sichere Führung des Radverkehrs werden innerorts immer häufiger Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert. Die Umsetzung ist kostengünstig und der Sicherheitsgewinn für den Radverkehr hoch. Doch außerhalb geschlossener Ortschaften ist die Einrichtung von Schutzstreifen in Deutschland – anders als beispielsweise in der Schweiz oder den Niederlanden – aufgrund fehlender Erkenntnisse nach der Straßenverkehrsordnung bislang nicht zugelassen.

Auch außerorts besteht ein Bedarf zur Sicherung des Radverkehrs. Ein baulicher Radweg ist hier häufig aufgrund technischer, rechtlicher oder finanzieller Probleme nur schwer oder mit zeitlichen Verzögerungen realisierbar. Daher beteiligt sich das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg an einem Forschungsprojekt des Bundes, mit dem Erkenntnislücken für den Einsatz von Schutzstreifen außerorts geschlossen werden sollen.

Die drei Modellstrecken in Baden-Württemberg befinden sich:

  • Im Landkreis Konstanz im Zuge der L 193 zwischen Moos (am Bodensee) und Moos-Bankholzen (Verkehrsbelastung von 1.900 Kfz/Tag).
  • Im Landkreis Ravensburg im Zuge der L 319 zwischen den Ortsteilen der Stadt Leutkirch-Urlau und Winterstetten (Verkehrsbelastung von 1.500 Kfz/Tag).
  • Auf der Strecke „Im Elsental“ zwischen den Stadtteilen Dachswald, Stadtbezirk Vaihingen, und Kaltental, Stadtbezirk Stuttgart-Süd, für das Forschungsprojekt „Schutzstreifen außerorts“ ausgewählt. Der Abschnitt ist etwa 5,50 Meter breit, täglich fahren dort etwa 2.500 Autos, Lkw oder Motorräder.

Weitere Untersuchungsstecken des bundesweiten Modellversuchs befinden sich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Das Projekt ist bis zum 31. Dezember 2014 befristet und wird bis dahin wissenschaftlich begleitet.

Prinzipskizzen

Im Infoflyer wird anhand von Prinzipskizzen erläutert, wie sich Autofahrer und Radfahrer bei Straßen mit Schutzstreifen verhalten dürfen und sollen.

Fragen und Antworten

Bleibt die Mittelmarkierung auf der Straße bestehen?

Nein. Die Projektstrecken werden neu markiert. Neben einer Erneuerung der Fahrbahnbegrenzung am Rand werden in beiden Richtungen die Schutzstreifen markiert. Sie werden als eine Leitlinie (Abfolge Strich-Lücke) angelegt. Vorhandene Mittelmarkierungen werden entfernt.

Wo muss ich als Kfz-FahrerIn fahren?

Nach der Markierung der Schutzstreifen verbleibt in der Mitte der Straße eine sog. Kernfahrbahn. In dieser muss der oder die Kfz-FahrerIn fahren. Nur bei Bedarf, z. B. bei Gegenverkehr durch andere Kraftfahrzeuge, darf auf den Schutzstreifen ausgewichen werden.

Wie breit ist die Kfz-Fahrspur bzw. der Schutzstreifen?

Die Kernfahrbahn ist 3,00-4,00 m breit und damit so bemessen, dass ein Befahren des Schutzstreifens im Regelfall (ohne Gegenverkehr) nicht erforderlich ist. Es muss (und darf) aber bei Gegenverkehr auf die Schutzstreifen ausgewichen werden, wenn dadurch kein(e) RadfahrerIn behindert oder gefährdet werden. Die Schutzstreifen sind jeweils 1,50 m breit.

Darf ich auch weiterhin auf der rechten Spur fahren?

Es gibt keine rechte Fahrspur mehr. Es gibt nur noch die Kernfahrbahn.

Darf ich mit dem Kfz über die Markierung fahren?

Wie bei den Schutzstreifen in den Ortslagen gilt auch hier: Kfz-FahrerIn halten sich in der Kernfahrbahn. Der Schutzstreifen darf nur bedarfsweise und ohne Behinderung oder Gefährdung des Radverkehrs überfahren werden. Wenn nötig, muss das Kraftfahrzeug hinter dem/der RadfahrerIn bleiben, bis ein Überholen mit ausreichendem Sicherheitsabstand (etwa 1,50 m) möglich ist.

Wie verhält man sich im Begegnungsverkehr?

Im Begegnungsfall zweier Kfz – wie auch vor Kuppen oder Kurven – kann der Schutzstreifen selbstverständlich nach rechts kurzzeitig überfahren werden. Allerdings darf der Radverkehr dabei nicht behindert werden: sollte ein(e) RadfahrerIn in Fahrtrichtung auf gleicher Höhe sein, müssen Kfz-FahrerInnen hinter dem/der RadfahrerIn bleiben, bis der Gegenverkehr vorbei ist. Dabei bitte nicht zu dicht auf den Radfahrenden auffahren.

Ist es für Radfahrende ersichtlich, wo gefahren werden soll?

Alle ca. 300 m wird auf dem Schutzstreifen ein Fahrrad-Piktogramm aufgebracht. Wie schon innerorts ist dies für den/die RadfahrerIn ein bekanntes Zeichen, dass der/die RadfahrerIn im Bereich des Schutzstreifens zu fahren hat. Auch Radfahrende dürfen den Schutzstreifen nur bedarfsweise nach links verlassen, wenn dabei der Kfz-Verkehr nicht behindert wird.

Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge sind wesentlich breiter als die Kfz-Fahrspur – wie sollen diese Fahrzeuge fahren?

Lkw sind – wie auch Müllfahrzeuge – nicht breiter als die Kernfahrbahn. Überbreite landwirtschaftliche Fahrzeuge können den Schutzstreifen mit belegen. Sie sind dann – genauso wie vor der Markierung des Schutzstreifens – zur besonderen Rücksichtnahme gegenüber dem Radverkehr verpflichtet.

Wird es Geschwindigkeitsbeschränkungen geben? Wie soll man sich verhalten, wenn der voranfahrende Kfz-Fahrer den nachfolgenden Fahrer nicht überholen lässt?

Auf der Versuchsstrecke ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h beschränkt. Fahrer, die höhere Geschwindigkeiten fahren, begehen einen Regelverstoß. Für ein Überholen muss eine ausreichende Geschwindigkeitsdifferenz zum vorausfahrenden Kfz bestehen, damit der Überholvorgang zügig abgeschlossen werden kann. Aber auch dann darf man nicht schneller als die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit fahren.

Bei nachfolgenden Kfz-Fahrern, die schneller als 70 km/h fahren und drängeln, sollte man vernünftigerweise keinen Konflikt suchen. Es ist die Aufgabe der Polizei und nicht der anderen Verkehrsteilnehmer, Regelverstöße zu ahnden. Es ist dann in der Regel besser, kurzzeitig auf den Schutzstreifen auszuweichen, um den Nachfolgenden vorbei zu lassen, sofern kein(e) RadfahrerIn dadurch gefährdet wird.

Ist für die Geschwindigkeit, die jetzt zulässig ist, die Fahrspur für Kfz nicht zu schmal? Werden durch dieses Projekt nicht auch Gefahren provoziert, die zu vermeiden sind?

Die Kernfahrbahn ist für Pkw und Lkw, die sich an die zulässige Höchstgeschwindigkeit halten, ausreichend breit. Aufgrund von Erfahrungen aus den Niederlanden ist davon auszugehen, dass durch die Maßnahme nicht nur eine Verbesserung der Sicherheit aus Sicht des Radverkehrs erzielt werden kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Maßnahme auch positiv auf die Sicherheit für den Kfz-Verkehr auswirkt, etwa durch eine verringerte Fahrgeschwindigkeit in Verbindung mit einem angepassten Spurverhalten, was Unfällen durch Abkommen von der Fahrbahn vorbeugen kann. Auf den Radverkehr ist auch ohne Schutzstreifenmarkierung immer zu achten und wenn nötig vorsichtig fahren. Die Schutzstreifen verdeutlichen aber für die Kfz-FahrerInnen, dass sie hier mit RadfahrerInnen rechnen müssen.

Verliert der oder die Kfz-FahrerIn durch die fehlende Mittelleitlinie nicht die Orientierung für die Einschätzung der Fahrbahnbreite?

Die Markierung der Schutzstreifen und die Einrichtung der Kernfahrbahn ändert nichts an der vorhandenen Straßenbreite. Wo sich bisher zwei Kfz gefahrlos begegnen konnten, ist dies auch weiterhin möglich, wenn beide Kfz-Fahrer kurzzeitig von der Kernfahrbahn rechts über den Schutzstreifen fahren. Wo eine Begegnung, z. B. von zwei Lkw schon jetzt nicht gefahrlos möglich ist, wird auch weiterhin Vorsicht geboten sein.

Wie lange dauert dieser Versuch?

Der Versuch endete am 31.12.2014.

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