02.12.2010

Land setzt bei der Fahrradförderung auf Qualitätsmanagement

Ministerialdirektor Bernhard Bauer: "Land und Kommunen sollen ihre Radförderung durch Wirkungskontrolle möglichst zielgenau und effizient ausrichten"

2.400 Haushalte in Baden-Württemberg wurden zum Radverkehr befragt

"Ziel des Landes ist eine dauerhafte, wirksame und effiziente Förderung des Radverkehrs. Um die Kommunen und das Land in die Lage zu versetzen, ihre Radförderung möglichst zielgenau und effizient auszurichten, haben wir eine Wirkungskontrolle als wesentlichen Bestandteil des Fahrradmanagements in Baden-Württemberg eingeführt. Mit diesem Qualitätsmanagementsystem wollen wir den Erfolg der Radverkehrspolitik des Landes und der Kommunen messen und bewerten können. Außerdem wollen wir wissen, wo der Radverkehr im Land derzeit steht, über welche Potentiale er verfügt und wie wir ihn noch weiter voranbringen können". Dies sagte der Amtschef des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg, Ministerialdirektor Bernhard Bauer, heute (2. Dezember 2010) in der Sitzung des Landesbündnisses ProRad in Stuttgart.

In einem ersten Schritt der Wirkungskontrolle sei seit Sommer 2009 in insgesamt elf Städten und drei Landkreisen des Landes eine sogenannte Nullanalyse zur Ermittlung des Status Quo im Radverkehr durchgeführt worden. Hierzu habe es verschiedene standardisierte Untersuchungen und Erhebungen gegeben. Unter anderem seien 2.400 Haushalte telefonisch zu ihrer Wahrnehmung und Einstellung zum Radverkehr befragt worden. Darüber hinaus seien die Radverkehrsplaner der Kommunen befragt und kommunale Materialien ausgewertet worden. Um das Bild zu vervollständigen seien Vor-Ort-Erhebungen durch Zählungen und Befragungen erfolgt und Fachgespräche mit den Verantwortlichen geführt worden. Bei der Untersuchung seien besonders Verkehrssicherheit, die Radverkehrsnutzung der Bürgerinnen und Bürger, die Nutzerfreundlichkeit und der Umfang der Infrastrukturangebote in den Städten und Landkreisen, das Fahrradklima, die Verknüpfung mit dem ÖPNV und das Image sowie die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger zum Radverkehr unter die Lupe genommen worden. Die Ergebnisse der Nullanalyse liegen nun vor und wurden in der Sitzung des Landesbündnisses ProRad vorgestellt und beraten. Sie dienen auch als Grundlage für einen Vorher-Nachher-Vergleich in den kommenden Jahren. Für ein Ranking der Kommunen ist die Nullanalyse der Wirkungskontrolle nicht geeignet. Der Schlussbericht der Nullanalyse wird im Internet unter www.fahrradland-bw.de veröffentlicht.

Die Auswahl der beteiligten Städte und Landkreise sei auf Basis objektiver Kriterien erfolgt. Damit werde ein möglichst breiter Querschnitt des Radverkehrs in Baden-Württemberg widergespiegelt. Ausgewählt wurden die Städte Freiburg, Heidenheim, Karlsruhe, Kirchheim unter Teck, Offenburg, Stuttgart und Villingen-Schwenningen sowie die Landkreise Bodenseekreis, Karlsruhe und Ostalbkreis. Auf eigene Kosten haben sich die Städte Böblingen, Fellbach, Lörrach und Singen der Untersuchung angeschlossen.

Amtschef Bauer zog eine erste Bilanz aus den Status-Quo-Ergebnissen: "In den Untersuchungskommunen wurden eine Vielzahl vorbildhafter und innovativer Lösungen umgesetzt. Gleichwohl zeigt sich, dass in allen Kommunen Verbesserungen bei der Fahrradinfrastruktur wünschenswert sind. Aber auch die verkehrsrechtlichen Handlungsspielräume, welche die Straßenverkehrsordnung bietet, könnten noch stärker ausgeschöpft werden". Fahrradstraßen sollten noch öfter realisiert und besonders zur Radverkehrsführung auf Radrouten eingesetzt werden. Markierte Radverkehrsführungen, besonders Schutzstreifen würden bislang noch zu selten verwendet. Auch die Öffnung von Einbahnstraßen in Tempo 30-Zonen solle noch öfter in Betracht gezogen werden.


Information zum Landesbündnis ProRad:
Das Landesbündnis ProRad wurde beim Gründungskongress am 18. Mai 2009 in Stuttgart ins Leben gerufen und ist auf die Ergebnisse des Runden Tisches Radverkehr Baden-Württemberg zurückzuführen. Dem Landesbündnis gehören die Landtagsfraktionen, Ministerien, die kommunalen Landesverbände, die Arbeitsgemeinschaft der Regionalverbände, maßgebliche Interessenverbände, ÖPNV-Unternehmen, die AOK Baden-Württemberg und seit der zweiten Sitzung die Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) und die Universität Stuttgart (Institut für Straßen- und Verkehrswesen, Lehrstuhl für Straßenplanung und Straßenbau) an. Seit der Gründung am 4. Mai 2010 gehört auch die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. dem Landesbündnis an.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg

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