Elektro-Zweiräder: Immer Rückenwind dank Elektromotor
13.08.2009 "Gib Strom, Alter!" – Das in Stuttgart entwickelte, bis zu 45 km/h schnelle "Elmoto" schickt sich an, die Gattung der meist etwas gemütlich daherkommenden Elektro-Zweiräder, neudeutsch "Pedelecs", aufzumischen. Wir geben einen Überblick über die Konzepte.
"Die bisherigen Pedelec-Konzepte haben alle einen gewissen Hilfsmittelcharakter: Das Fahrrad hilft beim Treten. Dann gibt es auf der anderen Seite die so genannten E-Scooter, also Motorroller mit Elektroantrieb: viel zu schwer! Wir wollten ein schnelles Lifestyle-Produkt aus leichten Mountainbike-Komponenten entwickeln: Höchster Fahrspaß mit gutem Gewissen." Wenn Thomas Hentges, einer der Entwickler der Firma ID-Bike, über das "Elmoto" spricht, schwingt die Begeisterung für dieses Gefährt hörbar mit.
Und tatsächlich ist es auch für den unvoreingenommenen Betrachter schwer, dieses brandneue Elektro-Zweirad nicht total cool zu finden. Was die junge Stuttgarter Firma da in diesem Frühjahr auf den Markt gebracht hat, könnte die boomende Branche der so genannten Pedelecs, der E-Bikes und der E-Scooter gehörig durcheinander wirbeln.
Hier wird auch gleich eines deutlich: Ebenso wie die Branche boomt auch die Zahl der verschiedenen Konzepte und ihrer Bezeichnungen. Für Durchblick zu sorgen, ist aber nicht ganz einfach. Denn selbst unter Fachleuten verschwimmen die Begrifflichkeiten.
Pedelecs - eingebauter Rückenwind
Das Wort Pedelec setzt sich zusammen aus "Pedal electric cycle". Gemeint sind Fahrräder, bei denen beim Treten der Pedale ein akkugespeister Elektromotor hilft. Der Motor tut das ausschließlich, wenn man selbst in die Pedale tritt, er gibt seine Leistung also zur Leistung des Menschen dazu. Tritt man nicht, läuft auch der Motor nicht. Beim Pedelec hat man beim Treten ein Gefühl von Rückenwind oder, dass es ständig bergab geht.
Wenn der Motor nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h "mit in die Pedale tritt" und sich darüber abschaltet, ist das Pedelec führerschein- und versicherungsfrei. Experten sprechen von "limitierter Tretunterstützung". Klassische Pedelecs kommen zum Beispiel vom Pedelec-Pionier "Flyer" aus der Schweiz.
Schnelles Pedelec - 40 km/h und mehr
Beim schnellen Pedelec schaltet sich der Motor nicht oberhalb einer Geschwindigkeit von 25 km/h ab, sondern hilft fortwährend, solange man tritt. Geschwindigkeiten von über 40 km/h sind ohne große Anstrengung möglich. Diese so genannte unlimitierte Tretunterstützung macht das Zweirad für den Gesetzgeber zum Kraftfahrzeug: Man braucht den Führerschein für Pkw oder zumindest den für Mofas. Außerdem muss man sein Gefährt wie ein Mofa für 60 bis 80 Euro im Jahr haftpflichtversichern, und es bedarf eines entsprechenden Kennzeichens.
Wie das normale Pedelec kann auch das Sport-Pedelec nicht alleine vom Elektromotor angetrieben werden. Man muss stets selbst treten, um elektrische Unterstützung zu bekommen. Ein bekannter Vertreter der schnellen Pedelecs ist zum Beispiel das "Pro Connect S" des Cloppenburger Herstellers Kalkhoff/Derby-Cycles.
E-Scooter oder E-Bike - Verzicht auf Pedale
Grundsätzlich ist ein E-Bike ein Zweirad mit elektrischem (Zusatz-) Antrieb. Hatte das althergebrachte "Elektrorad" noch Pedale, so verzichtet manches neuartige E-Bike gleich ganz auf sie: Hier sorgt nur der Elektromotor für Bewegung.
Wie bei einem Mofa oder Moped regelt man das Gas bzw. die Geschwindigkeit mit einem Drehgriff am Lenker. Diese Vertreter der E-Bikes gelten im Straßenverkehr als "Kleinkrafträder" – und sehen zum Beispiel aus wie normale Motorroller mit Verbrennungsmotor.
Neu in den Markt stößt nun das "Elmoto" der Stuttgarter Tüftler von ID-Bike. Es ist kein Pedelec, denn es hat keine Pedale. Es ist auch kein E-Roller mit meist weit über 100 kg Gewicht. Es sieht eher aus wie eine Mischung aus Mountainbike und Enduro. Das "Elmoto" fühlt sich aber mehr an wie ein Motorrad: Dank nur 45 kg Eigengewicht katapultiert es den Fahrer mit satten 3 PS auf bis zu 45 km/h. An Bergen, wo die von Verbrennungsmotoren getriebenen Roller aufheulen und sich im Schritttempo hinaufquälen, gleitet das "Elmoto" noch mit 20 km/h vorbei und ist dabei nicht lauter als ein Fön.
Sicher ist die Zielgruppe des "Elmoto" eine andere, als die normaler Pedelecs. Der Fokus liegt ganz klar auf jungen, Lifestyle-orientierten Menschen, die für Fahrspaß auch tief in die Tasche greifen: Beginnt die Preisspanne für Pedelecs bei rund 800 Euro, so zahlt man für ein "Elmoto" 4.000 Euro.
Quelle: SWR.de Ratgeber


