Informationsportal zur Radverkehrsförderung

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Viele kleine blaue Fahrräder vor weiß-grauem Hintergrund

Arne Koerdt, Verkehrsministerium

„Unsere Aufgabe: Radverkehrsförderung möglichst einfach machen & Akteuren bei der Arbeit helfen.“

Radfahren ist ...

gut für die Volkswirtschaft

In der Broschüre „Betriebliche Radverkehrsförderung”, die das baden-württembergische Wirtschaftsministerium herausgegeben hat, sind viele Argumente und wissenschaftliche Studien zusammengefasst, die für das Rad als Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit werben. Rund ein drittel weniger Fehltage am Arbeitsplatz durch eine bessere Gesundheit oder motiviertere Mitarbeiter sind Nebeneffekte des Radfahrens. Auch durch den Umstieg auf Diensträder kann man teuren Stellplatz und hohe Anschafungskosten einsparen.

Studien aus dem Ausland zeigen ebenfalls die positiven wirtschaftlichen Nutzen von Radfahren für den Einzelhandel. In einer Studie der European Cyclists Federation (ecf) wurden 2013 Beispiele aus ganz Europa zusammengetragen: Übereinstimmende Ergebnisse aus Kopenhagen, Frankreich und Österreich identifizieren Radfahrer als treue und häufige Kunden. Zwar geben Radfahrer pro Einkauf im Schnitt weniger aus als Kunden, die das Auto nutzen, dafür gehen sie pro Woche etwa doppelt so häufig einkaufen wie Autofahrer. Außerdem stärken Radfahrer den lokalen Einzelhandel, da sie meistens in kurzer Distanz zum Wohnort einkaufen.

Die neueste Studie der European Cyclists Federation (ECF - 2016) wartet mit neuen und aktualisierten Ergebnissen auf. So beziffert sie beispielsweise den Vorteil durch Zeit- und Platzersparnis durch Fahrräder im öffentlichen Raum auf insgesamt 131 Milliarden Euro. 111 Milliarden Euro entfallen hierbei pro Jahr allein auf den Einkauf mit dem Fahrrad. 

Auch die Umwandlung von Parkplätzen lohnt sich, denn Parkfläche ist ein wichtiger Zugangsfaktor für Städte. In Bern hat man durch eine Verbraucherumfrage festgestellt, dass Fahrradfahrer mehr Umsatz pro Quadratmeter Parkfläche generieren als Autofahrer. Da eine Umnutzung eines Parkplatzes gleich mehrern Radfahrern zu Gute kommt, summiert sich die Kundenrentabilität auf 7.500 € pro Quadratmeter. Autofahrer kommen hingegen nur auf einen Wert von 6.625 €. Eine Studie aus Flandern zeigt außerdem, dass Kunden, die aufgrund reduzierter Autoparkplätze wegbleiben, von neuen Kunden, die den Umweltverbund zum Einkaufen nutzen, sogar überkompensiert wurden. 

Eine vermehrte Fahrradnutzung führt möglicherweise auch zu weniger stark frequentierter Nutzung des ÖPNV. Die ECF spricht an dieser Stelle von einem Wettbewerb und einem möglichen Nutzen, da der Druck auf die Attraktivität, und somit auch die Preise, der ÖPNV-Anbieter erhöht werden kann. Der Benefit im Bereich "Mobility" beläuft sich laut Studie auf rund 30 Milliarden Euro.

Die aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Fahrräder in der Stadt lediglich 5% des öffentlichen Raums während der Fahrt und 10% in geparktem Zustand für sich beanspruchen. Der monetäre Nutzen, der sich daraus ergibt, wird mit 20 Milliarden Euro angegeben. Nicht zuletzt die immer teurer werdenden Plätze im öffentlichen Raum tragen zu diesem großen Benefit bei, ebenso wie der immer kleiner werdende Raum, der überhaupt zur Verfügung steht. 

"Technology and Design" befasst sich mit den Benefits bezüglich der Infrastruktur und Städteplanung. Der Vorteil für die urbane Entwicklung liegt in Zahlen bei 20 Milliarden Euro und wirkt sich nicht nur finanziell, sondern auch im öffentlichen Raum, nämlich in der Lebensqualität, aus.

Ein Rechenmodell zum Thema "Einkaufen und Verkehrsmittelwahl" für Österreich zeigt, dass eine Erhöhung des Radverkehrsanteils um 1 % für den lokalen Einzelhandel insgesamt ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 0,2 % ergibt. Auf Deutschland übertragen ergäbe sich nach diesem Rechnenmodell bei einer Verdopplung des Radverkehrsanteils auf 25 % ein Umsatzplus von 8,7 Millarden Euro für den Einzelhandel.

Der Einzelhandel profitiert auch laut den neuesten Ergebnissen, und wird mit einem Nutzen von 62 Milliarden Euro beziffert. Die "Microeconomic Benefits" beinhalten nicht nur den klassischen Fachhändler vor Ort, sondern auch die Fahrrad-Hersteller, den Fahrrad-Tourismus, sowie auch den geringer zu bewertenden Materialschaden durch Unfälle, im Vergleich zum Auto.

Die neueste Studie der ECF errechnet aber auch einen finanziellen Benefit für die Umwelt, respektive das Klima. Rund 15 Milliarden Euro bringt der Radverkehr im Bereich "Climate & Environment" ein. Einer der Gründe für dieses Ergebnis liegt darin, dass Radfahren weniger bzw. eine andere Infrastruktur erfordert, als Autofahren. Somit können an dieser Stelle Ressourcen geschont werden. Zum anderen würden weniger Autos auch weniger Einfluss auf die Umwelt nehmen, was sich ebenso, mit rund 500 Millionen Euro, finanziell auswirken würde. Der Bau von Fahrrädern würde im übrigen auch deutlich weniger Ressourcen benötigen als der Bau von Autos. Der Bereich "Energy & Resources" ist mit 2,8 Milliarden Euro als Benefit beziffert.

Gesundheitlich lassen sich, allein durch den Radverkehr, knapp 192 Milliarden Euro einsparen. Hier erstrecken sich die Vorteile des Radfahrens von einer höheren Lebenserwartung bis hin zu weniger Krankmeldungen am Arbeitsplatz. Wer schon als Kind mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann von den veröffentlichten Zahlen der Studie profitieren. Dabei berücksichtigt die Studie nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Fitness, die mit dem Radfahren einhergeht.

Letztlich hat das Radfahren aber auch einen sozialen Nutzen, der sich geldwert berechnen lässt. Das soziale Miteinander und auch der Nutzen als Transportfahrzeug führen zu einer eigenen, besonderen Kultur der Fortbewegung. Mit 10 Milliarden Euro liegt dieser Benefit zwar auf dem letzten Platz der Kategorien, ist aber aufgrund des inhaltlichen Aspekts eines kultivierten Miteinanders ebenso bedeutend.

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) belegt: Radfahren hat positive Effekte für die Volkswirtschaft:

Laut dem Branchenverband der Fahrradindustrie (ZIV) macht die Fahrradindustrie in Deutschland jährlich einen Umsatz von 16 Mrd. Euro. Knapp 280.000 Arbeitsplätze gibt es in der Fahrradindustrie in Deutschland.

Aber der Radverkehr hat auch noch weitere positive Effekte für die Volkswirtschaft: Für die UBA-Studie „Wirtschaftliche Aspekte nichttechnischer Maßnahmen zur Emissionsminderung im Verkehr“ untersuchten das Fraunhofer ISI, das ifeu und die INFRAS AG fünf verkehrspolitische Maßnahmen im Hinblick auf die Kosten für deren Umsetzung sowie die Auswirkungen auf private Kosten und Nutzen, das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung bis 2030 im Vergleich zu einem Szenario ohne Maßnahmen. Zudem leiteten sie Empfehlungen zur Umsetzung der Maßnahmen ab.

Ein Szenario, das dabei untersucht wurde: die Steigerung des Wegeanteils des Rad- und Fußverkehrs in Innenstädten zu Lasten der Pkw-Nutzung um zehn Prozentpunkte. Diese Maßnahme senkt vor allem die privaten Ausgaben und die Umweltkosten.

Einen Überblick über das Gesamtprojekt „Wirtschaftliche Aspekte nichttechnischer Maßnahmen zur Emissionsminderung im Verkehr“, weitere Szenarien und konkrete Ergebnisse gibt es unter:

http://www.isi-projekt.de/wissprojekt-de/ntm/massnahmen/m1.php

 

 

 

 

 

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